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TEXTILE COMPOSITES



„Textile Composites“  künstlerisch-experimenteller Workshop
und fachdisziplinübergreifende Kooperation zwischen
dem Fachbereich ASL und der Kunsthochschule Kassel.

Die Kompakt-Veranstaltung „Textile Composites – waeaving landscape III“ war ein künstlerisch-experimenteller Workshop und die
Fortsetzung einer seit dem Wintersemester 2019 initiierten fachdisziplinübergreifenden Kooperation zwischen dem Fachbereich ASL und der Kunsthochschule Kassel.
(-> siehe Publikation „grown in germany“ Sommersemester 2020,  Link︎)

In gemischten Teams und Input von externen Partnern aus Design, Industrie und Handwerk erfolgte eine Annäherung an das ästhetische und funktionale Potential textiler Verbundstoffe aus Naturfasern. Rohstoffe, die in Deutschland anfallen oder wachsen und abbaubare Binder wurden analysiert, und Anwendungsmöglichkeiten in Architektur, Landschaftsarchitektur und Produktdesign aufgezeigt.

Verwendet werden unter anderem natürliche Binder wie Gelatine, Zucker, Stärke, Wachse, Lignin – einem Bestandteil von Holz;
als Fasermaterial in verschiedenen Rohstoffstadien Brennnessel, Hanf, Flachs, Wolle, Haare, Fichten- und Kiefermaterial, Kaffee- und Fruchtabfälle, Holzspähne, Blasentang, Seegras. 

Das Potential von regionalen Naturfaserkompositen im konstruktiv-technischen Bereich liegt in der Kreislauffähigkeit, den kurzen Wegen und der Alternative zu harzbasierten Kompositen, die nie wieder voneinander getrennt werden können.

Es entstanden Materialstudien wie etwa Kaffeepapier, Orangenleder, Brennnesselzwirne, Hanfbeton, farbenreiche Zersetzungsprozesse und eine Rezepturensammlung, die zum Weiterdenken und Ausprobieren anregt.



Teilnehmende:
Noortje Grawunder
Hannah Hjort
Katja Lonzeck
Hilke Manot
Jill Peter
Rico Pfleger
Carolin Sanetra
Ya Shu
Yao Wang
Lucia Westphal
Nora Wilhelm
Yuwei Xing
Dozentinnen:

FB 06 / WISS. MA. DIPL.-ING.
CHRISTINE BAUMGARTNER

KUNSTHOCHSCHULE / LFBA DIPL. DES. NADJA PORSCH


Postzusendungen und Materialkit
Materialien und Prozess
Utensilien


STUDENTISCHE ARBEITEN


01 Küchenabfälle
Noortje Grawunder Hilke Manot 


Beschreibung Projekt:
Vor dem Hintergrund des hohen Ressourcenverbrauchs und der verursachten C02-Emissionen bei der Herstellung von Produkten, rücken geschlossene Produktionskreisläufe und die Reduktion und Verwertung von Reststoffen in den Fokus. Ziel des Projekts ist es, die Potentiale organischer Abfallprodukte als Rohstoffquelle zur Herstellung neuer Materialien aufzuzeigen.

Versuchsreihe Papierschöpfen:
Das Material besteht aus zerkleinerten Teebeuteln, welche unter Wasserzugabe zu einer Pulpe verarbeitet und anschließend als Papier abgeschöpft wurden. Durch die Zugabe von Teepigmenten verschiedener Sorten werden unterschiedliche Oberflächentexturen und Farbvarianten erreicht.

Versuchsreihe Formpressen:
In dieser Versuchsreihe wurde aus Zitrusschalen ein lederähnliches Material hergestellt. Die Materialprobe besteht aus pürierten Orangenschalen, die mit Agar-Agar als natürliches Bindemittel zu einem Verbundstoff verpresst werden. Nach der Trockenphase entsteht ein biologisch abbaubares Material, welches sich durch seine Biegsamkeit weiterverarbeiten lässt.

Das Verbundmaterial aus Zitrusschalen und Teebeutelpapier kombiniert die Eigenschaften beider Materialproben. Durch das Verpressen des Gemisches mit dem Teepapier entsteht nach der Trocknung ein textiler Werkstoff, der auf beiden Seiten verschiedene Oberflächenstrukturen aufweist.




02 Brennnessel

Nora Wilhelm
 
Im Rahmen des Seminars beschäftigte ich mich mit vor allem mit Brennnessel. Durch Kombinationen mit Maisstärke versuchte ich einen festen Verbundstoff zu erstellen. Ich kochte Maisstärke zusammen mit Wasser auf und übergoss die Brennnesselfasern damit. Bei den ersten Lufttrocknungsversuchen begann das Material nach einigen Tagen rissig zu werden. Um das zu verhindern verlangsamte ich den Prozess indem ich das Material teilweise bedeckten. Das förderte die Schimmelbildung. Zunächst entstanden nur kleine Schimmelbildungen. Ich reizte die Schimmelbildung weiter aus indem ich die Materialstärke erweiterte und Komponenten veränderte. So entstanden Schimmelbilder mit unterschiedlicher Farbgebung. Das Material der abgebildeten Schimmelverbundstoffe besteht aus Wasser, Maisstärke und Brennnesselfasern von 2 cm Länge, bei manchen Proben sind Schäben zugegeben.




Lucia Westphal
Ein Experiment rein aus wilder Brennnessel - einer weitverbreiteten Pflanze mit großem, heimischem Faserpotenzial.

Äußere, im Sommer abgezogene, grüne Fasern wurden zu Strängen separiert und angetrocknet direkt zu Kordeln gedreht.

Sie sind robust und haltbar und können vielseitig Anwendung finden.

Verflochten mit dem Kern entstand eine stabile, formbare Verbindung.
03 Bambus

Yao Wang
Der Bambusstamm ist im inneren weich und außen hart. Abgeschabte Teile des äußeren Stamms, Bambus Spalten oder -Schäben wurden mit verschiedenen Bindern wie Klebreismehl oder Agar-Agar sowie Schellack verfestigt und zu Flächen geformt. Zusätzlich zu der Experimentierreihe „Bambus“  wurde mit weiteren zellulosen Rohstoffen wie Kokosfaser, Kiefer-, Flachs-, Hanfzellstoff gearbeitet.


04 Luffa

Ya Shu und Yuwei Xing
Luffa ist eine einjährige Pflanze, deren Inneres eine einzigartigen Netzstruktur aufweist. Durch natürliche Binder haben wir ein Luffa-Plattenmaterial geschaffen, das ähnliche Eigenschaften wie Hartplastikprodukte in Härte und Formbarkeit aufweist, allerdings vollständig kompostierbar ist. Die Lufa-Masse wurde im Experimentierverlauf zu einem Topf geformt, welcher anstelle von Einweg-Plastikblumentöpfen genutzt werden könnte und zusammen mit der Pflanze in den Garten gepflanzt werden könnte. Das Wurzelsystem würde geschützt und das Luffa zunächst Wasser speichern und nach einige Tagen Nährstoffe spenden. Durch diesen Zersetzungsprozess wäre der natürlichen Kreislauf geschlossen.


05 Materialmix, Haar, Baumnadeln

Hannah Hjort
Probe 1 (Weidenflaum)
Weidenflaum mit „Stärke & Essig“-Binder (1EL Maisstärke/4EL Wasser/1TL Glycerin/1TL Essig, Biokunststoffe- Veronika Schneider). Das Komposit hat eine Weiche angenehme Haptik. Verzieht sich beim trocknen. Ist Fest, lässt sich etwas biegen, aber kehrt wieder in die Ausgangsform zurück.

Probe 2 (Lupinenschalen)
Getrocknete angemörserte Lupinenschalen aufgekocht mit Speisestärke, Zucker, Hanffaser roh. Feste unbiegsame Müsliriegelhaptik.

Probe 3 (Menschenhaar)
Menschenhaar mit Pektinbinder (12g Pektin, 3g Glycerin, 240mal Wasser-Biokunststoffe Veronika Schneider). Sehr biegsam und Stabil. Die Probe ist teils Lichtdurchlässig und lässt sich mit der Schere schneiden.

(Probe 4- Birkencellulose Brennnesselfaser roh)
Brennnesselfaser roh mit Birkenzellulose, Agar+Kaffesatz. Sehr leicht mit Papierhafter Haptik.

(Probe 5-Menschenhaar, Burgunderharz, Bienenwachs)
Kurze Menschenhaarabschnitte mit Fichten-Burgunderharz und Bienenwachs Verhältnis 50/50 (Wenig Zucker, Wasser, Essig).
Die Probe lässt sich sehr gut biegen.

06 Flachs

Carolin Sanetra, Jill Peter

Das Ausgangsmaterial Flachs ist ein nachwachsender und resistenter Rohstoff mit geringem Wasserbedarf. Das Experiment bezieht sich auf die Fasern, welche mit einem natürlichen Bindemittel aus Wasser, Mehl und Zucker verbunden wurden. Nach einer gewissen Trocknungszeit haben diese sich zu einem stabilen Konstrukt entwickelt. Dieses Prinzip lässt sich auf verschiedene Formen und Größen anwenden.



07 Hanf

Katja Lonzeck
Die Nutzpflanze Hanf bietet diverse natürliche Rohstoffe und Ressourcen die in einzelnen kleinen Versuchsreihen unter anderem mit Textilen-Techniken, sog. Bio-Kunststoffen sowie verschiedenen anderen Techniken zu Kompositwerkstoffen weiterverarbeitet wurden.